Freitag, der 19. September 2003
Uns stehen 350 km bevor und, da wir immer noch nicht so genau wissen, wie lange man in Namibia dafür braucht, stehen wir früh auf, frühstücken in Ruhe (heute schon bei mir etwas mehr, zum ersten Mal auch Spiegelei mit Speck!) und brechen um 8.45 Uhr Richtung Lüderitz auf. Bis Seeheim kennen wir die B 4 ja schon und danach wird die Landschaft wieder richtig interessant. Wir durchqueren Goabeb und nähern uns langsam dem Huib Hochplateau von dem es dann kontinuierlich herunter geht Richtung Namib und Küste. Die Ausschau nach den
wilden Pferden bei Garup war leider ergebnislos. An der Strecke stören viele Bauarbeiten auf der linken (südlichen) Straßenseite den möglichen Eindruck von Weite und Einsamkeit. Die alte Eisenbahnstrecke Richtung Lüderitz wird modernisiert, der Verkehr soll wieder aufgenommen werden und so sehen wir unendliche viele Sandhaufen an der Strecke, die die linke Seite unnatürlich erscheinen lassen. Aber nach rechts ähnlich, nur das hier kilometerlange Stromleitungen an unzähligen Masten den Weg säumen (fast fühlt man sich an ein Skigebiet mit Liftanlagen erinnert). Und so durchquerten wir die Wüste begleitet von Kennzeichen der Zivilisation und Modernität.
Ankunft in Lüderitz: da wir zu Hause in der Lübecker Str. wohnen, wollten wir doch gerne das Viertel in Lüderitz durchqueren, in dem es auch eine Lübecker Str., neben einer Bremer Str. usw. gibt; noch dazu, sah es auf dem Stadtplan nach einer möglichen Abkürzung aus. Aber wir verfuhren uns doch ein wenig und waren plötzlich in einem Wohngebiet, in dem wohl viele sehr arme Menschen ihr Dasein fristen und wo es uns nun auch nicht ganz wohl im Magen war. Aber die Angst kommt eher aus Unsicherheit und Unwissenheit; real war sie nie.
Doch bald fanden wir das, was wir gesucht hatten: die Pension Zur Waterkant. Aber sie war durch ein schweres Tor gesichert. Alle Türen verschlossen. Was tun? Uns half ein Nachbar von gegenüber, ein Farbiger. Sehr nett machte er uns darauf aufmerksam, dass das Tor nur angelehnt nicht aber verschlossen sei. Er zog es auf und wir fuhren auf den Hof. Keiner da. In einem abgetrennten Gartenstück liefen Schäferhunde auf und ab, waren aber leise. Wir gingen langsam eine Treppe hinauf und näherten uns dem Haupteingang. Es war nur eine normale, kleine Tür, aber irgendwie sah es nach Rezeption aus. Immer noch keiner da. Ich ging in den Flur, da die Tür weit offen stand. Ich rief: Hallo!? Plötzlich kam sie um die Ecke und erschrak. Frau Hällrich. Für sie war es nicht verständlich wie wir auf das Gelände gekommen waren. Die nette Geste des Nachbarn, der uns nur gezeigt hatte, dass der Hausherr ohne das Tor zu verschließen, das Haus verlassen hatte, wurde nun ins Gegenteil umgekeht. Hinterher hatte man den Eindruck als warteten diese "Schwarzen" nur auf solche Momete, um dann über alles herzufallen. Aber irgendwie war diese ältliche Frau auch ganz lustig und vor allem sehr entgegenkommend. Sie bot sich an für den Abend einen Tisch im Rizzis zu reservieren, weil man nur da richtig essen könne. Außerdem überredete sie uns zu einer Fahrt mit der Selina, einem Gaffelschoner. Sofort bezahlt, fertig. Das Zimmer war sehr schön, wenn auch hier wieder keine richtige Tür vor dem Badezimmer. Gegen 14 Uhr gingen wir zum Hafen, aber da wurde uns gesagt, dass die Botstour wegen schlechtem Wetter ausfallen müsse. Auf der einen Seite schade, andererseits war es uns ganz recht, denn auf so richtiges Durchschaukeln hatten wir auch keine Lust. Wir sind dann viel durch den Ort gelaufen, der einige schöne, aus der Kolonialzeit stammende Häuser besitzt. Wir haben dann viele Ansichtskarten gekauft und diese mit einem schönen Ausblick auf den Hafen geschrieben bis der Arm weh tat. Abends fuhren wir (da Frau Hällrich auf die "Gefahren" des Abends hingewiesen hatte und wir uns davon noch nicht so ganz frei machen konnten) mit dem Auto die 500 m zum Rizzies und genossen ein hervorragendes Mahl. Ich aß ein Gemsbocksteak u.a. mit Pilzen gefüllt. Ein Gedicht! Danach ging es mit dem Auto zurück. Wir verstanden so langsam, dass nach Einbruch der Dunkelheit ziemlich wenig los ist. Von nächtlicher Kneipenkultur kann keine Rede sein. Aber Ruhe ist ja auch schön und man kommt früh zu liegen.
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